Dr. Catherine Thiron.
Der Kaffee enthält verschiedene Substanzen, zu denen auch das Koffein zählt. Über Koffein wurde bereits sehr viel geschrieben. Was denkt man derzeitig darüber?
Das Koffein ist ein Alkaloid, genauer gesagt ein Methylxanthin, das in verschiedenen Pflanzen, wie zum Beispiel in Kaffeebohnen, aber auch in den Blättern des Teebaumes, in den Kakaobohnen, Guaranasamen oder Kolanüssen vorkommt. Es fließt in die Herstellung von verschiedenen Arzneimitteln und Getränken ein.
Der Koffeingehalt der Kaffeebohnen liegt bei ungefähr 1 bis 2 %, d.h. 10 bis 20 g in einem Kilo Kaffeebohnen.
Wirkungsmechanismen und Folgen des Koffeins
Das Koffein erreicht die Blutbahn 30 bis 45 Minuten nach Einnahme. Es wird durch das im Körper enthaltene Wasser weiterverteilt, abgebaut und dann über den Urin wieder ausgeschieden. Die Halbwertszeit des Koffeins im Körper liegt bei ungefähr 4 Stunden (die Schätzungen variieren von 2 bis 10 Stunden). Bei Schwangerschaft läuft dieser Prozess noch langsamer ab, daher bleibt die Substanz bei schwangeren Frauen länger im Körper aktiv.
Koffein wirkt anregend auf das Nervensystem, die Wachsamkeit und das Gedächtnis. Müdigkeit wird reduziert.
Es steigert die körperliche Leistungsfähigkeit und Ausdauer bei andauernden Aktivitäten von submaximaler Intensität.
Die Wirkungen des Koffeins spürt man ebenfalls im Herz-Kreislauf-Bereich: Tachykardie, leichte periphere Vasodilatation und eine leicht entwässernde Wirkung.
Die tödliche Dosis von Koffein beim Menschen liegt bei 10 g/Tag (ungefähr 130 Espresso-Tassen Arabica Kaffee).
Bei Personen, die gelegentlich Kaffee trinken, reicht schon eine Tasse, um einen Adrenalin-, Noradrenalin- oder Reninschub (Stresshormone mit anregender Wirkung auf Herz und Kreislauf) auszulösen, mehr als 6 bis 7 Tassen Kaffee pro Tag wirken anxiogen.
Ein gewohnheitsmäßiger Genuss von großen Kaffeemengen kann sich, in Verbindung mit anderen Ernährungsaspekten (geringe Aufnahme von Kalzium und Vitamin D, salzreiche Nahrung, Alkoholkonsum) als ein aggravierender Faktor für Osteoporose erweisen.
Es scheint, dass bei schwangeren Frauen der Kaffegenuss keinen Einfluss auf das Gewicht des Babys hat, allerdings lässt sich die anregende Wirkung des von der Mutter aufgenommenen Koffeins auch am Fetus spüren (längere Wachzeiten). Koffein, in empfohlener Menge konsumiert, hat keine teratogene Wirkung auf den Menschen, kann aber die Wirkung von anderen Genussgiften (wie Alkohol, Tabak, Medikamenten usw.) um ein Vielfaches verstärken.
Kurz gesagt, bei Schwangerschaft empfiehlt es sich, den Genuss von Kaffee oder Tee einzuschränken.
Im Großen und Ganzen haben die von verschiedenen Arbeitsgruppen ausgeführten Studien keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Kaffeegenuss (weniger als 5 Tassen pro Tag) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, plötzlichem Herztod oder Herzrhythmusstörungen nachweisen können.
Es liegen keine Beweise dafür vor, dass Kaffee ein Risikofaktor für Krebs darstellt, ganz im Gegenteil. Experimentale Studien haben gezeigt, dass Koffein im Lungenbereich schützend vor den krebserregenden Nitrosaminen wirkt.
Auch könnte der Genuss von mindestens zwei Tassen Kaffee pro Tag einen Schutzfaktor vor dem Dickdarmkrebs darzustellen.
Die Kaffeesäure, ein im Kaffee enthaltenes Polyphenol.
Polyphenole sind in Pflanzen enthaltene Mikro-Nährstoffe. Ihre Eigenschaften und ihr Gehalt können je nach Pflanzenart starke Unterschiede aufweisen.
Ernährungswissenschaftler, die Nahrungsmittelbranche und auch Konsumenten zeigen seit einigen Jahren ein wachsendes Interesse an den Polyphenolen und ihrer antioxydierenden Wirkung. Diese können in die Prävention von verschiedenen, mit oxidativem Stress einhergehende Erkrankungen wie Krebs, Herz-und Kreislauferkrankungen, Knochenschwund, Entzündungskrankheiten einfließen.
Zu den Polyphenolen gehört ebenfalls die Kaffeesäure, die nicht nur im Kaffee, sondern auch, obgleich in weitaus geringerer Konzentration, in verschiedenen Obst- und Gemüsesorten vorkommt.
Mehrere in vitro- sowie in vivo-Studien am Tier und am Menschen (freiwillige Probanden) sind zur Zeit im Gang, um die intestinale Absorption, die Wirkungsmechanismen und natürlich die Wirkungseffekte der verschiedenen Polyphenole zu kennen.
Die Ergebnisse dieser Studien liegen noch nicht vor.
Der äthiopische Sidamo.
Dieser Kaffee wird im äthiopischen Hochland angebaut.
Als Ursprungsland des Arabica Kaffees gilt Äthiopien. Er wuchs hier wild in den Wäldern und wurde bei Reife gepflückt.
In unserer heutigen Zeit werden die Kaffeesträucher mit Sorgfalt angepflanzt und gepflegt, sie geben einen milden Kaffee mit blumigen Aromen.
Er hat einen sehr geringen Koffeingehalt, weniger als 1 % (unter den verschiedenen Arabica-Sorten, die von sich aus schon weniger Koffein enthalten als die Robusta-Sorten, gehört er zu denen mit dem geringsten Koffeingehalt).
Schlussfolgerung.
Ein moderierter Kaffeegenuss (ungefähr 4 Tassen pro Tag) und besonders dann, wenn es sich um Kaffee mit geringem Koffeingehalt wie der äthiopische Sidamo-Kaffee handelt, hat keinen negativen Einfluss auf unsere Gesundheit (Schwangere und Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgenommen).
